ARCHITEKTUR UND KUNST 3

Theater für alle
Der Hamburger hat ein sehr spezielles Verhältnis zu seinen Bühnen. Man macht nicht so ein Gewese ums Thea¬ter, es gibt keine opulenten Vorplätze zum Renommieren und Flanieren, und selbst zu Premieren kommt das han¬seatische Publikum eher leger denn aufgebrezelt. Andererseits ist man sehr besitzergreifend und streng mit »sei¬nem« Theater und neigt zu ungnädigen Abstrafungen, wenn dieses seinen Er¬wartungen einmal nicht entspricht.
Umwerfender Jubel und erbitterter Zorn begleitet seit jeher die Geschich¬te des Schauspielhauses, dem grö߬ten und schönsten Theater der Stadt (s. Thema S. 156).
Die zweite wichtige Bühne, das Tha¬lia-Theater nahe der Binnenalster, von Charles Maurice Schwartzenberger ge¬gründet, ist älter (1843) als die impo¬sante Schwester am Hauptbahnhof und traditionell etwas konservativer am Abonnement-Publikum orientiert. In-tendant und Schauspieler Boy Gobert (1969-80) brachte mit modernem Re¬gietheater der Kollegen Hans Neuen¬fels und Peter Zadek frischen Wind in das Traditionshaus. Jürgen Flimm
(1985-2000) machte das Thalia durch wirtschaftlich wie künstlerisch äußerst erfolgreiche Produktionen wie seine ei¬genen Tschechow-Inszenierungen oder Bob Wilsons legendären »Black Rider« und seine »Alice im Wunder¬land« zum Lieblingstheater der Ham¬burger. Im Jahr 2000 übernahm Ulrich Khuon das Haus und überraschte mit überzeugenden Inszenierungen zeit¬genössischer Autoren, guten Schau¬spielern und neugierigen, professionel¬len Regisseuren wie Michael Thalhei- mer, Stephan Kimmig oder Andreas Kriegenburg. Khuon gründete mit dem Theater in der Gaußstraße eine zwei¬te, ebenfalls sehr erfolgeiche Bühne des Thalia in Altona. Hier arbeiten vor allem junge Regisseure und das Durch¬schnittsalter der Zuschauer liegt eben¬falls deutlich unter der des Mutter¬hauses.
Die Hamburger Kammerspiele, ein
vergleichsweise kleines Privattheater mit geringen Subventionen, konnte sich unter dem Intendanten-Duo Tukur und Waller mit exzellenten Schauspie¬lern und unterhaltsamen Publikums¬rennern wie »Kunst« oder »Gebrüder Wolf« und provokanten Produktionen wie Zadeks »Gesäubert« zu einem der drei wichtigsten Sprechtheater der Stadt entwickeln. Im Jahre 2003 hat Axel Schneider, Intendant des Altona- er und des Harburger Theaters, die Kammerspiele mit übernommen. Ulrich Waller hat es gereizt, als künstlerischer Leiter des St. Pauli-Theaters auf der Reeperbahn etwas Neues auszupro¬bieren. Er hat aus dem vor allem mit Comedy und Musicals bespielten Haus das gemacht, was es eigentlich mal war: ein Volkstheater. Programmatisch steht dafür seine »Dreigroschenoper« mit einer hochkarätigen Besetzung von Starschauspielern wie Eva Mattes, Uli Tukur und Christian Redl.
Dass der Kiez wieder etwas mit Kul¬tur zu tun hat, ist nicht zuletzt das Ver¬dienst von Corny Littmann. Zusammen mit Ernie Reinhardt, bekannt als Lilo Wanders, und Günther Schmidt eröff- nete er 1988 das Schmidt, ein plü¬schiges Theater mit roten Sesseln und Sofas, in dem man mit schrägen Shows, Variete und schwulen Sicht¬weisen beglückt wurde. Das 2003 ab¬gerissene Schmidt-Theater wurde 2005 zu einem stilvollen Entertainment- Palast umgebaut. Bereits 1991 war das Schmidt Tivoli hinzu gekommen, mit 600 Plätzen mehr als doppelt so groß wie das Schmidt. Im Tivoli laufen.haus¬eigene Inszenierungen von Musicals und Revuen wie »Cabaret«, »FiftyFifty«, »Swinging St. Pauli«. Ein großartiger Coup, inszeniert von Corny Littmann höchst selbst: »Heiße Ecke«, ein Long¬seller-Musical über die Reeperbahn.
Corny Littmann gehörte übrigens auch zu denjenigen freischaffenden Theaterleuten, die Anfang der 80er Jah¬re, nachdem das Schauspielhaus-En¬semble wieder ins renovierte Mutter¬haus zurückzog, in einer »Besetzungs¬probe« das Kampnagelgelände für die freie Szene okkupierte. Aus der locke¬ren Vereinsstruktur wurde inzwischen ein viertes Hamburger Staatstheater. Auch wenn das Kampnagel durch den Abriss diverser Hallen und umklam¬mernde Wohnbebauung etwas vom morbiden Fabrik-Charme eingebüßt hat: das Theater gehört zu den bedeu¬tendsten europäischen Zentren Freier Theaterproduktionen. Wer innovatives, großartiges Tanz-, Musik- oder Sprech¬theater sehen will, ist hier genau richtig. Ob Eigenproduktionen oder internatio¬nale Gastspiele – Intendantin Amelie Deuflhardt, die ab 2007/08 die Ge¬schicke des Geländes in der Hand hat, setzt künstlerisch auf Weltstadtniveau.
Die Intendantin des Ernst-Deutsch- Theaters, Isabella Vertes-Schütter, Schauspielerin und Medizinerin, leitet das Haus ihres verstorbenen Gatten Friedrich Schütter seit 1995 mit wach¬sendem Erfolg. Sie setzt auf hauseige¬ne, auch überregional bekannte Stars wie Volker Lechtenbrink, Jörg Pleva oder Daniela Ziegler und einen ge¬mischten Spielplan von Goethe, Molie- re bis David Hare, lässt aber auch jun¬ge Talente ans Regiepult oder auf die Bühne.Sie hat durch gezielte Anspra¬che der Hamburger Schulen ihr Publi¬kum erheblich verjüngen können.
Nomen est omen – die Komödie Winterhuder Fährhaus, schön gele¬gen an einem Alsterarm, setzt auf gu¬ten Boulevard, meist mit TV-Star-Be- setzung. Intendant Michael Lang ver¬sucht seit einiger Zeit auf einer kleinen Nebenbühne das Haus mit seiner Rei¬he »Kontraste« programmatisch auch für jüngeres Publikum zu erweitern.
Wer den Weg nicht scheut: Die bes¬te und vor allem zuverlässigste Adres¬se für große Theaterkunst ist das Thea¬ter Haus im Park, das seine Existenz der Körber-Stiftung verdankt. Erstklas¬sige Gastspiele aus dem deutschspra¬chigen Raum, ob Wien, Berlin, Zürich –
Nikolaus Besch ist darauf bedacht, die Theater-Creme auch in Hamburg ihre Aufwartung machen zu lassen. Nicht zu vergessen, dass hier auch erstklassige Kabarettisten gastieren.
Kabarett gibt’s in Hamburg vor al¬lem in Alma Hoppes Lustspielhaus, im Polittbüro und unter anderem auch im St. Pauli Theater. Außerhalb der üblichen »Schubladen« agieren die Flie¬genden Bauten, die in ihrem großen Theaterzelt gegenüber dem Dom mit einem wechselnden Programm von Va¬riete, Musiktheater und Konzerten zu entspannten Abenden einladen.

Oper und Ballett
Zwei Sparten in einem Haus beher¬bergt die Hamburgische Staatsoper. Große Dirigenten begleiten die Ge¬schichte des Hauses. Georg Händel gehörte eine Zeit lang zum Ensemble, Franz Liszt und Richard Wagner diri¬gierten hier, Gustav Mahler oblag so¬gar sechs Jahre lang die musikalische Leitung des von Schinkel 1827 erbau¬ten Hauses, das im zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört wurde. 1955 be¬zog man dann den von Gerhard Weber entworfenen, für den damaligen Blick avantgardistischen Neubau. Der Mo¬derne, dem Zeitgenössischen zuge¬wandt zeigten sich auch die nachfol¬genden musikalischen Leiter in ihrer Spielplangestaltung. Kompositionsauf¬träge und viele Uraufführungen präg¬ten die Ära von Rolf Liebermann. Bis 2004/05 sorgte Generalmusikdirektor Ingo Metzmacher mit seinem Hausre¬gisseur Peter Konwitschny für ein hohes künstlerisches Niveau und – das eine schließt das andere ja nicht aus – immer mal wieder für heftige Debatten. 2005 hat zum ersten Mal in der deut¬schen Geschichte eine Frau – die Diri¬gentin Simone Young – die künstleri¬sche Leitung einer staatlichen Oper übernommen, mit großem Erfolg.

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