HOHELUFT UND EPPENDORF 2

Eppendorfer Weg
Der Eppendorfer Weg führt uns nach dem Gang durchs Generalsviertel ge¬radewegs nach Osten gen Eppendorf. Kleine Gemüseläden, Restaurants, Weinhandlungen und Cafes säumen den Weg – und jede Menge Friseure!

Epppndorfer Weg
Der ehemalige Hamburger Sitz der Tabakfirma von Eicken 53 aus Mül¬heim an der Ruhr, versteckt im Hinter¬hof an der Kreuzung Hoheluftchaus¬see, sieht aus wie ein Schloss. In der alten Verarbeitungsstätte für »Fein¬schnittsorten und Rauchtabakmi¬schungen in englisch-amerikanischer Geschmacksrichtung« wird heute nur noch gequalmt. »Factory« nennt sich das Restaurant im dunklen Gebälk der ehemaligen Fabrik, das daneben klei¬ne Firmen beherbergt.
Von der Kreuzung Hoheluftchaussee rechter Hand schön zu sehen, an Fas¬sade Nr. 83: die Reklame für »Seifix« aus den 1920er Jahren, die beim Häuserabriss entdeckt und von der Stadt restauriert wurde.
Zwei Straßen weiter, vorbei an der Kirche Sankt Martin, beginnt rechts Falkenried, eine Straße und gleichzei¬tig der Name eines besonderen Viertels mit ehemaligen Fabrikanlagen und Ter¬rassenwohnungen. Das alte Arbeiter¬viertel grenzt unmittelbar an die glanz¬voll großbürgerlichen Fassaden Ep¬pendorfs an. Gegenüber den niedrig gebauten Terrassen erstreckt sich ein riesiges Gelände, auf dem früher Straßenbahnen gebaut und gewartet wurden. Selbst das zaristische Russ¬land wurde von hier beliefert. Nach Ab¬schaffung der Straßenbahn in Ham¬burg Mitte der siebziger Jahre wurde das alte Fabrikgrundstück in den 90er Jahren an verschiedene Investoren ver¬kauft. Auf über 70 000 m2 entstand hier das Quartier Falkenried für Men¬sehen mit gehobenen Ansprüchen ans Wohnen und entsprechenden Einkom¬men. Ein Teil der alten Straßenbahn¬hallen und das Getriebewerk, in dem jetzt RTL arbeitet, wurden glücklicher¬weise erhalten.
Die alten einstöckigen Falkenried¬terrassen auf der anderen Straßen¬seite sind genossenschaftlich organi¬siert, und dass hier mehr als gutnach¬barschaftliche Verhältnisse herrschen, kann man vor allem im Sommer erle¬ben. Zwischen den Terrassen werden Tische und Stühle herausgestellt, es wird gegessen, gespielt und Musik ge¬macht. Die Terrassenpassagen sind öf¬fentlich, sie enden an der Löwenstraße, die uns auf den Eppendorfer Weg führt. Gesäumt von exquisiten Modeläden, Restaurants und Cafes stößt der Ep-pendorfer Weg auf die Eppendorfer Landstraße.
Museum mit Aroma
ln der kleinen Altbauwohnung über der Kaffeerösterei Burg hat Inha¬ber Jens Burg ein kleines Kaffee- Museum eingerichtet. Für seine rie¬sige Sammlung reichte der Platz schon bald nicht mehr. 2004 konn¬te Burg in seinen ehemaligen La¬gerräumen im Hinterhof der Mün¬sterstraße 23-25 auf 300 m2 eine Museumskaffeerösterei eröffnen: Holzdrehmühlen und Espresso¬maschinen, Reklametafeln, Säcke und Bohnen – hier findet sich alles rund um den Kaffee. Anmeldung unter Tel. 55 20 42 58 oder bei Kaf¬feerösterei Burg, Eppendorfer Weg 252, www.kaffeeroesterei-burg.de.

Yoga und Yogi
Die ganze Republik trinkt Yogi-Tee oder Chai aus dem Eppendorfer Weg. Die Zentrale vom Golden Temple Efl findet man hier in einem Gewerbehof (Nr. 243). Die meisten, die hier arbeiten, ob als Yoga-Leh¬rer oder Yogi-Teemischer, sind Sikhs. Sie tragen weiße Kleidung und Wickelturbane. Auf jeder Tee¬packung sind eine Yogaübung und ein Sinnspruch aufgedruckt. Der ideale Weg, um nach der Yoga¬stunde etwas vom Spirit mit nach Hause zu nehmen. Das exzellente vegetarische Restaurant »Tassaja- ra< verkauft den Tee auch an Di¬rektverbraucher. Eppendorfer Landstraße 4, Tel. 48 38 01 o. 48 38 90, Mo-So 11.30-24 Uhr.

Eppendorf
Die Eppendorfer Landstraße – nomen est omen – führte früher von der Stadt hinaus nach Eppendorf, dorthin, wo die Bauern lebten und manch reicher Kauf¬mann aus der Stadt seinen Landsitz hatte. Das Lokal an der Mündung Ep¬pendorfer Weg in die Landstraße (Ecke Lehmweg) trägt seinen Namen ver¬dientermaßen. Das Legendär (2Ö| erin¬nert an die bewegten siebziger Jahre, als die Hamburger Musikszene sich im Onkel Pö in Eppendorf traf.
Hohe Etagenhäuser der Jahrhun¬dertwende säumen die Landstraße, zeugen von alter Pracht- und die zahl¬reichen Edelboutiquen von den heuti gen formidablen Verhältnissen der An¬wohner. Noch Ende des 18. Jh. ein -Kirchdorf mit 110 Feuerstellen« ent¬wickelte sich Eppendorf Anfang des 20. Jh. rasant. Die Mühle am Mühlenteich wurde 1901 außer Betrieb genommen, die Niendorfer Windmühle nur drei Jah¬re später – das Dorfidyll wich beein¬druckenden Gründerzeit-Bauten. Grün ist der Stadtteil geblieben, zahlreiche Parks durchziehen Eppendorf. Meist ist Wasser in der Nähe – die Alster, Tar- penbek und Isebek. Im Durchgang der Klinkerwohnanlage Eppendorfer Land¬straße 58-6 erstreckt sich der Kelling- husen-Park mit kleinem Teich, denn dort hatte Bürgermeister Kellinghusen im 19. Jh. sein Landhaus.
Im Schrammsweg lohnt ein Stopp in »Hamburgs klassischer Konditorei« Cafe Lindtner, um in gediegen-alt- modischem Ambiente den berühmten Baumkuchen zu probieren. Und außerdem der Besuch des Marien¬wegs Es ist eine der ältesten Wohnhofalleen der Gründerzeit, die sich hinter den Häusern Schramms¬weg 17-21 verbirgt.
Der Eppendorfer Marktplatz hat keinen Markt und ist bis auf die Frie¬denseiche, glorifizierendes Symbol des Sieges über Frankreich 1871, und dem daneben stehenden Mahnmal, auf dem Wolfgang Borcherts nachdrücklicher Antikriegs-Aufruf »Sag nein!« zu lesen ist, nur zu queren. Es braust der Ver¬kehr, viele Häuser mussten neuen Straßenführungen weichen. Geblieben ist in der Ludolfstraße 15 der Sitz des ältesten deutschen Kanu-Clubs (Alster- Canoe-Club) von 1905. Und Hamburgs ältestes erhaltenes Landhaus, genannt das Will’sche Palais, aus der Zeit um 1700, in der Ludolfstraße 19.
Der Ernst-Thälmann-Platz erin¬nert an den populären Reichstagsab¬geordneten und ehemaligen Vorsit¬zenden der KPD. Nach der Macht¬übernahme der Nazis wurde der gebürtige Hamburger im März 1933 in seinem Versteck aufgespürt. Elfein¬halb Jahre war Ernst Thälmann inhaf¬tiert, bis er auf Anweisung von Hitler am 18. August 1944 im Alter von 58 Jahren im KZ Buchenwald ermordet wurde. Die Benennung des Thälmann- Platzes war in Hamburg sehr umstrit¬ten. Klaus von Dohnanyi, damals Hamburgs Erster Bürgermeister, setz¬te sich 1984 durch: »Es gilt, die Erin¬nerung an Menschen aus allen politi¬schen Lagern zu bewahren, die gegen das NS-Regime kämpften.«
Im Thälmann-Haus lebte er für einige Jahre im 2. Stock in einer Drei¬zimmerwohnung mit Frau, Tochter und Schwiegervater. Seit 1969 be¬steht hier die Ernst Thälmann-Ge¬denkstätte, Eppendorfs einziges »Mu¬seum«, das die politische Geschichte der Arbeiterbewegung der Stadt Ham¬burg dokumentiert. Fast Nachbar von Thälmann und richtiger Eppendorfer war der Schriftsteller Wolfgang Bor- chert (»Draußen vor der Tür«), der 1921 in der Tarpenbekstraße 82 ge¬boren wurde und dort seine Kindheit verbrachte. Bis ein Hausbewohner Borcherts Mutter Hertha, »eine staats¬feindlich eingestellte Kraft«, beim Hamburger Reichssender denunzier¬te. Der Hausfrieden war dahin, und die Familie zog kurzzeitig nach Winterhu¬de und dann nach Alsterdorf.

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