ST. GEORG 3

Koppel und Lange Reihe
Typisch für St. Georg sind die vielen Passagen, Terrassen und Hinterhöfe. So verbinden Gänge und Höfe an vie¬len Stellen die Straße Koppel mit der Langen Reihe. Zum Haus des Kunst¬handwerks Koppel 66 in einer ehemaligen Maschinenfabrik von 1924 gelangt man beispielsweise auch von der Langen Reihe 75 aus. Hamburgs Kunsthandwerkerelite hat sich hier mit Läden, Ateliers und Werk¬stätten niedergelassen. Handgefertig¬te Schuhe von Annabelle Stephan möchte man sich leisten können. Und wer Holzgeruch liebt, sollte unbedingt bei Möbeltischler Stefan Fink vorbei¬schauen.
Das Fachwerkhaus von 1621 in der Langen Reihe beherbergt heute ein Nähmaschinen-Geschäft. Bemerkens¬wert ist die florale Deckenmalerei, die hier erst 1987 zufällig entdeckt wurde. Zehn Häuser weiter, Nummer 71, steht man vor dem Geburtshaus von Hans Albers. Der »Blonde Hans<, den die meisten für einen Seemann aus St. Pauli halten, ist nämlich ein waschech¬ter Junge aus St. Georg. Sein Vater hatte hier im Erdgeschoss eine Schlachterei. Albers ist St. Georg treu geblieben. Als er reich und berühmt war, wohnte er stets im Atlantic.
Die 1890 eingeweihte, denkmalge¬schützte Volksschule samt Turn¬halle zur Langen Reihe hin ist von der Stadt verkauft worden. Unter dem Na¬men Saint George sind hier Neubau¬ten mit 1a-Eigentumswohnungen für Besserverdienende und Edelrestau¬rants entstanden. Sieben Stockwerke hoch, mit Blick auf die Alster vom Penthouse. Die Turnhalle wurde zum »Stadtteilzentrum Saint George« aus¬gebaut, einem »Eventhaus« mit Laden¬passagen und Restaurants.
Auf dem Carl-von-Ossietzky-Platz findet Donnerstags (9.30-13.30 Uhr) der Wochenmarkt statt. Der von den Nazis verfolgte kritische Publizist und Friedensnobelpreisträger Carl von Os¬sietzky hat acht Jahre lang unter wech¬selnden Adressen in St. Georg ge¬wohnt. 1938 starb er an den Folgen der KZ-Haft in Berlin.

Der Schwulen-Kiez
Der nordöstliche, untere Teil der Lan¬gen Reihe hat sich zum Schwulen-Kiez entwickelt. Das Cafe Gnosa Mit¬telpunkt der Gay Communitiy in St. Ge¬org, ist Anziehungspunkt für Homose¬xuelle aus dem In- und Ausland. Neben Bürger- und Einwohnerverein hat sich in St. Georg in der Langen Reihe ein Kulturverein formiert (Nr. 111), der un¬ter anderem die Veredelung des Stadt¬teils kritisch unter die Lupe nimmt. Hier, am unteren Ende, hat man längst edle Nachbarn bekommen: Die Turnhalle St. Georg. No Sports! Speisen ist angesagt: neudeutsche Trendküche für 130 Gäste, ein Loungebereich und ei¬ne Bar, an der sich 80 Personen pos¬tieren können (Mo-So 9.30-23.00/ Küche, Bar länger, Tel. 28 00 84 80).
Das 1823 gegründete Allgemeine Krankenhaus St. Georg am Ende der Langen Reihe ist das älteste be¬stehende in der ganzen Stadt. Zur Lan¬gen Reihe hin wurde hier 2001 der Lohmühlenpark angelegt.

Katholische Diaspora – St. Marien
Wer zwischendurch Sehnsucht nach Ruhe hat, sollte in die Danzigerstraße einbiegen. An einem schön gestalteten Vorplatz erhebt sich der doppeltürmi- ge neoromanische Dom St. Marien Der erste katholische Kirchenbau nach der Reformation in Hamburg entstand 1890-93 aus Backstein nach dem Vor¬bild des Bremer Doms. Die Eisen¬skulptur von Hamburgs erstem Erzbi¬schof, Ansgar, auf dem Platz stammt von Karl Heinz Oswald.
Über die Rostockerstraße gelangt man allmählich in die aktuellen Pro¬blemzonen des Viertels. Auch wenn auf dem Hansaplatz auf dem Brunnen seit 1878 Hamburgs Stadtgöttin >Hammo- nia< thront, das einschlägige Klientel des Platzes war schon für manchen ein Grund wegzuziehen.
Ganz früher wohnten Zimmerleute rund um den Platz. Dann wurde er gründerzeitliches Sanierungsgebiet und rund 100 Jahre später 1970 wieder saniert. Sozialer Wohnungsbau. Die Menschen, die sich hier nicht »Guten Tag« sagen, sondern »Wieviel?« sind vor allem nachts deutlich in der Über¬zahl. Trotz rigider Anti-Drogenpolitik und massiver Polizeipräsenz gibt es noch immer genug >Stoff< rund um den Bahnhof.
Wie in Paris: Cox
Wie ein Pariser Bistro wirkt das Cox mit seinen Kugellampen, Spiegeln und eng stehenden Ti¬schen. Die Küche ist ebenfalls französisch und ambitioniert, der Service charmant. Seit 1995 führen Herbert Menzner und Hol- ger Dankenberg das Restaurant. Die Fensterplätze an der Langen Reihe sind begehrt. Besonders bei den Medien- und Theaterleuten, die sich im Cox zum Essen treffen. Abends, vor allem am Wochenen¬de, unbedingt reservieren!
Lange Reihe 68/Greifswalderstr. 43, Tel. 24 94 22, Mo-Fr 12-15 Uhr und 19-23 Uhr, Sa/So 19-23 Uhr.
Bodega Nagel
Alt und gut: Die Bodega Nagel in der Kirchenallee 57, täglich ab 10 Uhr geöffnet. Ein angemesse¬ner Abschluss für eine Tour durchs Viertel, wenn man von der Ostsei¬te kommt und es langsam abend werden will.

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